Schwergewitter Löbejün

    MCS Unwetter Hagel Sturmböen Sachsen-Anhalt Thüringen 30.06.2012 Löbejün

    MCS (Mesoskaliges konvektives System)

    Ausgangslage dieses gesondert zu betrachtenden Gewittertages war eine erstaunliche Deckungsgleichheit der Vorhersagen hiesiger Wettermodelle für ein MCS  in den Abend-/Nachtstunden. Estofex (European Storm Forecast Experiment) gab dabei so gar die seltene Gefahrenstufe 3 für die Möglichkeit besonders starker Windböen und extremer Hagelgrößen aus.

     

    Mit diesem Wissen sollten die Blicke aufs Wetterradar besonders sorgfältig getroffen werden - niemand möchte/sollte mitten in die Hagelzellen hineinfahren. Ab 24 Uhr wurde es dann auch für die Mitte Sachsen-Anhalts interessant. Zuvor zog vermutlich eine als Superzelle zu klassifizierende Hagelzelle zwischen Halle und Leipzig hindurch.

     

    Die Tour führte über die A14 gen Süden an die Ausfahrt Löbejün. An einem nahe gelegenen Windpark fand sich dann eine gute Übersicht in alle Richtungen. Das zunächst geringfügige Wetterleuchten intensivierte sich schnell und bald waren ringsherum Neuentwicklungen blitzaktiv. Im Norden (knapp hinter mir) zog dann eine Kette mit Blitz und Hagel gen Nordwest vor. Im Süden waren jedoch noch die "eigentlichen" Cluster zu erwarten. Regen setzte ein und die Ermangelung eines funktionstüchtigen UMTS-Empfanges sorgte für generelle Orientierungslosigkeit. Zeit ins Auto zu gehen!

     

    Mit den binnen Minuten - also gänzlich unberechenbar - entstehenden neuen Blitzaktivitäten überfordert, bleibt nur eins: im Auto das Stativ aufbauen, gucken und genießen. Das Stroboskoplicht war beeindruckend.

     

    Plötzlich zeigt sich nach Süd/Südost eine Struktur zwischen den Blitzen. Wie gebannt erscheinen die markanten Merkmale einer Shelfcloud im Stockdunklen. Einzig die intensiven Blitze illuminieren das Gewölk. Mit Blende 1.8 und einer Iso 1600 an der Kamera kann die imposante Gewitterlinie mit zittriger Hand dann noch schnell abgelichtet werden. Regen und Blitzintensität erlauben der Vernunft kein Umdenken. Ich zwinge mich, auf ein Panorama und weitere Blitzbilder zu verzichten.  

    Als die Windböen das Auto erfassen und der Starkregen heruntergeht entscheide ich mich um 1.40 Uhr zum Rückzug auf die A14. Durch das fehlende Radar erwarte ich mit der A14 eine gute Fluchtmöglichkeit vor der Front. Falsch. Binnen 15min hatten sich aus Nordwest des MCS einige vorstrebende Neuentwicklungen gebildet, welche mir nach und nach den Weg abschneiden sollten. Somit ergab sich auf der Autobahn dann ein über 30 Minuten (!) andauerndes Corepunching...! Glücklicherweise OHNE Hagel! Um 2.30 Uhr dann voll von Eindrücken daheim.

     

    Fazit: Wunderbare Gewitterentwicklungen; jedoch mit schnell veränderlichem, unberechenbarem Unwettercharakter. Storm Chasing is hier ohne Corepunching kaum realisierbar und in jedem Fall ein Risiko.

    Kommentar schreiben

    Kommentare: 0